Chronische Schmerzen reduzieren
- Praxis Hofmänner

- 11. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Jan.
Oberster Grundsatz einer Therapie ist das Vermeiden der Chronifizierung, also dem Übergang einer akuten Beschwerde (Krankheit, Schmerz) in einen chronischen Zustand. Was ein chronischer Schmerz ist und was dagegen unternommen werden kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Akuter oder chronischer Schmerz?
Je nach Fachkreisen sowie Krankheitsbild schwankt die Angabe, ab wann ein Schmerz als chronisch angesehen wird, zwischen 14 Tagen und 6 Monaten. Ein chronischer Schmerz besteht bereits länger als der definierte Heilungsprozess. Im Gegensatz zum akuten Schmerz klang er somit nach dem akuten Ereignis nicht wieder ab. Er entwickelt ein Eigenleben und durch die Dauerbelastung können psychologische Aspekte immer stärker in den Vordergrund drängen. Schlussendlich hat er häufig keine erkennbare Ursache mehr, was eine zusätzliche Herausforderung für die Therapie darstellt.

Beispiele für Erkrankungen, welche dauerhaft Schmerzen verursachen können:
Migräne oder medikamenteninduzierte Kopfschmerzen
Endometriose
Herpes Zoster
Trigeminusneuralgie
Rheumatische Erkrankungen
Morbus Sudeck (CRPS bzw. Komplexes Regionales Schmerzsyndrom)
Multiple Sklerose (MS, Enzephalomyelitis disseminata)
Das Schmerzgedächtnis. Chronische Schmerzen hinterlassen Spuren
Die Wissenschaft war viele Jahre der Annahme, dass sich nach der Hirnreifung das Gehirn nicht mehr verändern kann. Mittlerweile gilt das als widerlegt. Die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich ein Leben lang zu verändern, spielt in vielen Aspekten des Lebens wie dem Lernprozess oder bei der Therapie motorischer Störungen sowie chronischer Schmerzen eine entscheidende Rolle.
Bereits 1980 zeigte der britisch-amerikanische Neurowissenschaftler Clifford J. Woolf, dass das zentrale Nervensystem (ZNS) bei anhaltendem Schmerz
übererregbar wird
Schmerzreize stärker und länger verarbeitet
auf eigentlich harmlose Reize mit Schmerz reagiert.
Seine Arbeiten erklärten erstmals, warum Schmerz auch ohne fortlaufende Gewebeschädigung bestehen bleibt.
Sein Zitat: "Das Nervensystem selbst verändert sich und wird schmerzempfindlicher".
Spätere Forschungen ergaben, dass Schmerzareale sich vergrössern können und leichter erregbar werden. Dies erklärt, dass Schmerz bestehen bleibt, obwohl die eigentlich Schmerz verursachende Verletzung schon lange verheilt ist.
Der Schmerz ist noch akut. Wie wird die Chronifizierung vermieden?
Der oberste Grundsatz einer Therapie ist das Vermeiden der Chronifizierung, also dem Übergang vom akuten- in den chronischen Zustand. Lang anhaltender Schmerz verändert die Nervenzellen. Es bilden sich vermehrt Ionenkanäle und Rezeptoren aus. Dadurch können dann kleinste Reize die nun gelernten und bebahnten Schmerzreaktionen auslösen. Mit der auf das Beschwerdebild abgestimmten, individuellen Therapie wird diesem Prozess entgegengewirkt. Dabei kommen folgende Punkte zur Anwendung:
1. Frühe und angepasste Schmerzbehandlung
Starten Sie frühzeitig mit einer Therapie und planen Sie sich genügend Zeit dafür ein. Unzureichend behandelter akuter Schmerz erhöht das Risiko der zentralen Sensibilisierung
Regelmässige Schmerzbewertung und eine mögliche Anpassung der Therapie sind zentral
2. Bewegen statt Schonen : "Wer rastet, der rostet!"
Längere Inaktivität fördert die Schmerzverstärkung, den Muskelabbau und die negative Lernerfahrungen des Nervensystems
Angepasste, aktive Bewegung wirkt schmerzhemmend
3. Verständnis und psychologische Faktoren
Angst vor Schmerz ist ein starker Chronifizierungsfaktor. Aufklärung und positive Bewegungserfahrungen sind zentral
Stress, Depression und Hilflosigkeit verstärken Schmerz. Wenden Sie sich an einen Therapeuten/eine Therapeutin, bei dem/der Sie sich verstanden und wohl fühlen
Wissen über Schmerz kann Angst, Fehlinterpretationen („Schmerz = Schaden“) sowie die neuronale Erregbarkeit senken
4. Soziale und berufliche Einbindung
Unterstützung, Teilhabe und Perspektiven wirken fördernd. Soziale Isolation und Arbeitsunfähigkeit können jedoch Chronifizierung begünstigen.
5. Interdisziplinäre Behandlung
Je nach Beschwerdebild kann eine Kombination aus den folgenden Fachgebieten (nicht abschliessend) hilfreich sein:
Arzt und/oder Naturheilpraktiker
Massage (diverse und/oder Physiotherapie (aktive Mobilisation)
Psychologie / Coaching
Ergotherapie / Bewegungstherapien (Yoga, Pilates, etc.)
8. Förderung von Selbstwirksamkeit
Nehmen Sie als Betroffener/Betroffene eine aktive Rolle ein
Ziel: „Ich kann Einfluss auf meinen Schmerz nehmen“
Der Schmerzen ist chronisch. Was nun?
Chronischer Schmerz beruht auf gelernten neuronalen Mustern. Diese Muster sind form- und veränderbar. Bei chronischen Schmerzen besteht beispielsweise die Möglichkeit zur Gegenregulation, indem das Schmerzgedächtnis abgeschwächt wird. Studien von diversen Neurowissenschaftlern wie Herta Flor, André Brunoni / Felipe Fregni oder Jean-Pascal Lefaucheur haben gezeigt, dass beispielsweise durch das Elektrotherapie-Verfahren der transkraniellen Gleichstromsimulation (tDCS) folgende positive Effekte erzielt werden konnten:
Senkung der Erregbarkeit schmerzverarbeitender Areale
neues Lernen ermöglichen
bestehende Schmerzgedächtnisinhalte abschwächen
Wie auch bei anderen Therapieformen ist wichtig zu erwähnen, dass die positiven Ergebnisse nicht durch eine einfache "Einmal-Intervention" erfolgten sondern mehrere Therapiestunden in regelmässigen und meist relativ kurz aufeinander folgenden Abständen notwendig machten.
Je nach Beschwerdebild werden unterschiedliche Therapieformen gewählt. Elektrotherapie und Ultraschall wirken bei chronischen Schmerzen direkt auf nervale und gewebliche Prozesse. Im Vergleich zu rein manuellen Therapien können sie schmerzmodulierende Mechanismen gezielt aktivieren, ohne mechanische Belastung auszulösen und sind daher besonders geeignet bei überempfindlichen oder zentral sensibilisierten Schmerzsystemen.
Beispiel aus der Pathologie:
CRS (Morbus Sudeck)
Polyneuropathie
Fibromyalgie
Post-operative chronische Schmerzen
Elektro- und Ultraschalltherapie kann je nach Beschwerdebild auch mit manuellen Therapien wie Lymphdrainage, klassischer Massage oder Bindegewebsmassage kombiniert werden. Sie kann je nach Empfindlichkeit auch als Einstieg in eine Therapie oder als Brücke zu einer anderen Therapieform verstanden werden. Ihre klare Messbarkeit macht sie zu einer verlässlichen Therapieform bei chronischen Schmerzen.
Die manuelle Therapieform Lymphdrainage kann je nach Beschwerdebild ebenfalls gegen chronische Schmerzen helfen, da sie das vegetative Nervensystem beruhigt, den Parasympathikus aktiviert und dadurch übererregte Schmerznetzwerke dämpft. Die sanften, rhythmischen Reze fördern Entspannung, reduzieren Stress- und Schmerzverstärkung und unterstützen die Selbstregulation des Körpers.
Auch die Bindegewebsmassage wirkt auf das vegetative Nervensystem, jedoch reflektorisch. Sie kann bei chronischen Schmerzen regulierend wirken, indem sie vegetative Spannungsmuster beeinflusst, die Durchblutung verbessert und schmerzassoziierte Fehlregulationen im Nervensystem positiv moduliert.
Die Aufzählung von unterstützenden Therapieformen ist nicht abschliessend. In einem Erstgespräch beraten wir Sie individuell, welche Behandlung für Ihr Beschwerdebild am besten geeignet ist.
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An unserem Praxisstandort Sargans betreuen wir Personen mit chronischen Schmerzen aus dem Sarganserland und Umgebung. Chronische Schmerzen reduzieren.
In einem Erstgespräch werden bei der Anamnese wichtige Informationen zum Beschwerdebild gesammelt. Zusätzlich wird ein Sicht- und Tastbefund durchgeführt. In gemeinsamer Absprache wird ein Therapieplan erstellt, nach dem sich die weiteren Termine richten. Der Therapieplan sowie ein realistisches Therapieziel ermöglichen auch den Erfolg der Therapie zu messen und wenn nötig Anpassungen vorzunehmen.
Je nach Schweregrad der Beschwerde nehmen wir nach vorheriger Absprache auch Hausbesuche in Sargans, Mels und Vilters-Wangs vor.
Gerne können Sie den Ersttermin wie folgt buchen:
per Telefon: +41 (0)79 313 94 64
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
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7320 Sargans
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